Jedem Menschen ist das Verlangen angeboren zu wissen, das, was es zu wissen gibt, in Erfahrung zu bringen, und Erfahrenes wiederum anderen mitzuteilen. Es ist dies ein Verlangen, das so weit reicht, dass einer die anderen (falls sie mit dem, was er weiß, glaubt oder mutmaßt, nicht ebenso halten wollen) mit Schmeicheleien auf die Seite der eigenen Gesinnung zu ziehen, oder, falls dies nicht ausreicht, sie mit Gewalt dorthin zu zwingen versucht.
5. Von daher ist auch alles erfüllt mit Disziplinen, d.h. mit verschiedenen Rüstzeugen zum Ermahnen, Zuraten und Antreiben. Deshalb lässt sich die Welt nicht zu Unrecht als ein Haus der Disziplin bezeichnen. Die Natur des Menschen hat sich keine anderen Grenzen gesetzt als die des Lehrens und des Lernens: Denn nie wird ein Auge vom Sehen satt, und nie ein Ohr vom Hören (Koh. 1).
Der Weg des Lichts. Via lucis, hg. von U. Voigt, Hamburg: Meiner 1997, 22.