Da sah auch ich in diesem Lichte (d.i. des Glaubens) sonderbare Sachen, die man nicht
beschreiben kann: Ich sah die Welt vor mir wie ein riesiges Uhrwerk, aus verschiedenen
sichtbaren und unsichtbaren durchsichtigen Stoffen zusammengesetzt, aus tausend und
abertausend größeren und kleineren Säulen (Spindeln), Rädern, Haken, Zacken und Zähnen;
alles bewegte sich und summte, eines durch das andere, mal leise, mal mit verschiedenem
Gerassel und Gemurmel. In der Mitte dann war das größte unsichtbare Rad, von ihm aus kam
die Bewegung aller anderen auf eine unergründliche Art zustande. Denn der Geist des Rades
ging überallhin und leitete alles. Wie das geschah, konnte ich nicht ganz genau erfassen, aber
dass es so war, sah ich ganz genau. Was mich aber besonders beeindruckte und mir sehr lieb
war: obwohl alle Räder sich immer drehten und sich manchmal verfehlten und die Zacken
und Zähne, ganze Räder und Säulen (Spindeln) sich verschoben und herausfielen, hörte der
allgemeine Lauf doch nie auf, weil durch irgendeine geheime Führung alles immer wieder
ersetzt, vervollständigt und erneuert wurde.
Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens (1623), CH-Burgdorf 1992, Kap. 42, S. 160.