Comenius und die abendländische Philosophie

Von Dmitrij Tschižewskij, Halle an der Saale

 

 

Comenius steht an der Wende zweier Epochen. Seine philosophischen Ansichten wurzeln in der Philosophie der Renaissance. Bekannterweise schöpfte er mannigfaltige Anregungen aus den Werken von Bacon, Vives und Campanella. Doch sind sein philosophisches Bestreben, das Ziel, das er seiner Philosophie setzt und die Art seiner philosophischen Weltanschauung durchaus charakteristisch für sein eigenes Zeitalter: die Zeit des Barock. Nicht der individualistische Standpunkt der Renaissance ist für ihn kennzeichnend, sondern der Universalismus des Barock; nicht der Mensch in seiner Natürlichkeit ist Ausgangspunkt seines Denkens, sondern der Mensch in seiner Beziehung zu Gott. Seine Versuche, eine philosophische Weltanschauung aufzubauen, sind grundsätzlich polyphon, nicht monophon, und diese Polyphonie entsteht nicht aus einer einfachen Nebeneinanderstellung verschiedener Elemente, sondern aus der Vereinigung von Gegensätzen. Das Wort Pansophie, d.h. Allweisheit, kennzeichnet die universalistische Grundlage seiner Weltanschauung. War er auch nicht der einzige Pansoph seines Zeitalters, d.h. ein Denker, der das ganze Wissen der Menschheit zu einem einheitlichen System zu vereinigen bestrebt war, so ist doch niemand mit mehr Energie für dieses Ideal eingetreten. Comenius veröffentlichte allerdings nur die einleitenden Schriften zu seiner Pansophie; die Handschrift des ganzen Werkes ist erst vor einigen Jahren entdeckt worden (Čyževskij). Niemand zog auch aus dem Ideal der Pansophie so weitgehende und mannigfaltige Schlussfolgerungen praktischer Art wie er, d.h. praktische Schlussfolgerungen, die keineswegs phantastisch waren, sondern auf konkrete Lebensfragen gerichtet sind wie Organisation der wissenschaftlichen Arbeit, Schaffung einer Universalsprache, Versöhnung der christlichen Konfessionen usw.

Wenn bei anderen die Pansophie oft zu einem Weg zu Gott durch die Natur wurde, zu einem Weg, auf dem die Suchenden aber nie zu Gott gelangten, sondern sich im Dickicht der Alchimie und der Geheimwissenschaft immer mehr verirrten, so bedeutete die Pansophie des Comenius die Erfüllung des für das Barockzeitalter kennzeichnenden Bestrebens um Rückkehr aus der individualistischen Entfremdung der Renaissance zum christlichen Gott. Die wenn auch nur programmatisch angedeutete Vereinigung der gesamten weltlichen Wissenschaft mit dem christlichen Glauben, das Inbeziehungbringen aller Elemente einer solchen synthetischen Weltanschauung mit einigen wenigen Zentralpunkten entsprach dermaßen dem Bedürfnis der Barockzeit, dass Comenius auf seine Zeitgenossen auch dort sehr suggestiv wirkte, wo er nur ein Sprecher seiner Zeit war und schon früher verbreitete Gedanken wiederholte und neu prägte. Auf diese Weise übte er einen bedeutenden Einfluss auf seine Zeit aus. Wir schätzen seine zentrale Bedeutung innerhalb seiner Umwelt richtig ein, wenn wir daran denken, dass so bedeutende Vertreter des deutschen Barockgeistes wie Harsdörffer, Zesen, Moscherosch oder Robert Boyle in England von Comenius Anregungen für ihre weltanschaulichen Ansichten empfingen.

Das universalistische Programm des Comenius, seine pansophischen Pläne, entsprachen den Bedürfnissen der Zeit dermaßen, dass wir Anklänge an sie überall innerhalb derjenigen Barockströmungen finden, die auf diese oder jene Weise ein System der Universalweisheit aufzubauen bestrebt waren. Wir werden aber nicht die Namen der deutschen, holländischen, englischen u.a. Rosenkreutzer, Phantasten und Fanatiker aufzählen, die die durchaus ernstzunehmenden Arbeiten von Comenius für ihre fanatischen Zwecke verwenden wollten; es würde aus dieser Aufzählung eine lange und national bunte Liste entstehen. Wir wollen nur als Beispiel zwei bedeutendere Vertreter derartiger unversalistischer Bestrebungen hier nennen: den treuen Comenianer J. H. Bisterfeld, der die mathematische Methode in die Philosophie und sogar in die Theologie einführen wollte – für ihn hat sich Leibniz ernstlich interessiert – und den schwedischen mystischen Philosophen G. Stiernhielm, in dessen nichtabgeschlossenem philosophischen Werk die Gedanken des Comenius eine wichtige Rolle spielen. Wir möchten aber vor allem die Bedeutung des Comenius für diejenigen philosophischen Richtungen kennenlernen, die auch außerhalb des Barockzeitalters Bedeutung behalten haben, die auf eine überzeitliche Gültigkeit Anspruch erheben dürfen, denen also auch für die Gegenwart mehr als nur geschichtliche Bedeutung zukommt.

Die philosophische Bedeutung des philosophischen Programms von Comenius und die der ausgeführten Teile seiner "Pansophie" kann man nur auf Grund einer eingehenden Analyse richtig einschätzen. Die Tatsache, dass er die Hauptprobleme der philosophischen Entwicklung seiner Zeit richtig erfasste und in seinem philosophischen Programm eigentlich die Wege vorzeichnete, die nach seinem Tode dann Leibniz gegangen ist, ist der Beweis für seinen richtigen philosophischen Instinkt. [...]

Wir sagten schon, dass Comenius in vielen Punkten von der Philosophie der Renaissance ausgeht. Er bleibt aber nicht bei den allgemeinen Formulierungen und frommen Wünschen der Renaissance stehen, sondern gibt an manchen Stellen konkrete Hinweise darauf, wie man bei der Verwirklichung philosophischer Pläne verfahren solle. Viele von diesen konkreten Hinweisen erwiesen sich als durchaus gültig, d.h. sie haben genau das vorausgesagt, was die philosophische Entwicklung der nächstfolgenden Zeit verwirklichte. Comenius ist – wie so mancher Philosoph des Barock – der Überzeugung, dass Gotterkenntnis, Erkenntnis der Welt und Selbsterkenntnis des Menschen zu den gleichen Folgerungen führen müssen; er versucht diese völlige Parallelität deutlich zu machen und ursächlich zu erklären. Die Idee der Welt in der göttlichen Vernunft und die angeborenen Ideen in der menschlichen sind Formulierungen des Comenius, die in der Lehre Descartes' von den angeborenen Ideen und in der Vorstellung Leibnizens von den „Monaden" anklingen, von denen jede die ganze Mannigfaltigkeit des Weltgeschehens in sich widerspiegelt. Um Harmonie der Einheit mit der Vielheit zu erreichen, suchte Comenius nach neuen Begriffen, und einige von denen, die er fand, muten ganz modern an, wie System oder Struktur. Die Verwirklichung der Universalwissenschaft versuchte er durch eine Universalsprache (lingua catholica) zu erreichen. Er bleibt aber dabei nicht bei den Illusionen der Mystiker seiner Zeit über die „adamitische Natursprache" stehen, sondern will eine wissenschaftlich ausgearbeitete Sprache als ein System, das zugleich die Grundlage der philosophischen Wissenschaft sei, was den späteren Versuchen von Leibniz durchaus entspricht.

Descartes hat drei Gutachten über das philosophische Werk des Comenius verfaßt (nach 1637). Die christliche Orientierung der Weltanschauung des Comenius blieb ihm jedoch fremd. Er wandte sich vor allem dagegen, dass dieser "die Religion und die offenbarten Wahrheiten zu sehr mit den Wissenschaften verbinden will, die durch die natürliche Vernunfterkenntnis erworben werden". 1642 besuchte Comenius Descartes. Den Inhalt ihrer vierstündigen Unterhaltung kennen wir aus einer Mitteilung des Comenius, der erneut vortrug, dass "alle menschliche Erkenntnis, die aus bloßen Sinneswahrnehmungen oder Vernunftschlüssen stammt, unvollkommen und zerspalten ist". Descartes hat seinen Gast durch das höfliche Zugeständnis erfreut, dass die Philosophie, mit der er, Descartes, sich ausschließlich beschäftigen wolle, nur ein Teil des Ganzen sei. Mag er dabei vielleicht aus Höflichkeit unaufrichtig gewesen sein, so ist doch sehr kennzeichnend, dass der einzige wirklich große Philosoph, den man als Cartesianer bezeichnen darf, Malebranche, den Standpunkt des Comenius durchaus teilte. Sein System ist ein christlich gewandelter Cartesianismus. Malebranche will also nicht, wie Descartes, bei der Philosophie stehen bleiben, sondern strebt, wie Comenius, eine Synthese von Philosophie und Religion an. Comenius sah die Philosophie des Descartes auch von einem anderen Standpunkt aus als "Fetzen‑ und Brockenwerk" an: Descartes' Grundbegriffe (die angeborenen Begriffe) bilden kein ganzes, kein einheitliches System, sondern eine bloße Anhäufung. Leibniz berief sich um vieles später auf diesen Einwand von Comenius und bezeichnete ihn als besonders treffend.

Auch mit einem bedeutenden Anhänger des Descartes, mit Mersenne, trat Comenius in Verbindung und fand bei ihm Verständnis gerade für die universalistischen Motive seiner Weltanschauung. 1640 entwarf er in einem Brief an Mersenne das Programm seiner weiteren Arbeit: "Ich werde [...] die gemeinsamen Begriffe (communes notiones) des Geistes [...] in eins sammeln; jedoch nicht in einen Haufen, sondern in der Ordnung, die die wahre und sorgfältige Analyse des Universums selbst vorschreibt." Zur gleichen Zeit wie Comenius entwickelt Mersenne die Idee der universellen Harmonie, und auch er dachte an eine Universalsprache. Wichtiger jedoch sind ähnliche Be­strebungen von Leibniz, die bis in unsere Zeit hineinwirken. Seine Gedanken sind nicht nur den Ideen des Comenius ähnlich, sondern in manchen Punkten sogar von Comenius angeregt worden, was Leibniz selbst hervorgehoben hat.

Leibniz empfing nicht nur mannigfaltige Anregungen von Freunden und Gesinnungsgenossen des Comenius, wie von dessen Lehrer Alsted oder von Harsdörffer, sondern auch von ganz treuen Anhängern des Comenius wie Bisterfeld oder Skytte. Er stand vor allem in dauernder brieflicher Verbindung mit dem treuen schwäbischen Comenianer Hesenthaler. Der junge Leibniz besuchte, wie es scheint, mit Hesenthaler 1669 Comenius in Amster­dam. Und wenn wir auch an dieser persönlichen Zusammenkunft zweifeln können, so genügt sicher das Zeugnis, dass sich Leibniz mehrmals auf das Werk des Comenius beruft, dass er ferner über es ein Gutachten für Hesen­thaler verfaßte und vor allem die wesentliche Übereinstimmung der Bestrebungen beider. Es ist aber auch nötig daran zu denken, dass Gedanken, die Leibniz dann viel tiefer und detaillierter entwickelte bereits zwanzig Jahre früher von Comenius ausgesprochen worden sind. Die Punkte, für die Leibniz Comenius als Geistesverwandten benennt, der sich für dieselben Ideen bereits früher einsetzte, sind theoretischer und praktischer Natur. Leibniz tritt wie Comenius für die Universalwissenschaft (scientia generalis) ein, die auf der Grundlage einer einheitlichen, logisch aufgebauten Sprache und einer logisch konstruierten Schrift (characteristica universalis) entstehen solle. Wie Comenius verspricht auch er eine einheitliche Menschheitsorganisation auf der Grundlage der Universalwissenschaft: wissenschaftliche Sozietäten, Annäherung der christlichen Konfessionen, Versöhnung der Wissenschaft mit der Religion und politische Befriedung der Menschheit.

Der Grundgedanke von Leibniz' Universalwissenschaft tritt beim jungen Leibniz in Verbindung mit der Idee der Universalharmonie auf, die "auf einigen wenigen Prinzipien beruht, die jedoch in ihren Anwendungen un­endlich mannigfaltig sind". Es wurde bewiesen (Kabitz 1909), dass dieser Gedanke bei Leibniz zum erstenmal auftaucht, als er sich 1666 mit den Werken von Bisterfeld beschäftigt; die betreffende Stelle bei Bisterfeld geht aber fast wörtlich auf die Schrift "Prodromus Pansophiae" (1639) des Comenius zurück (D. Mahnke 1925). [...]

Comenius leitete von einigen wenigen Prinzipien die ganze Mannigfaltigkeit der Universalwissenschaft ab, aber er geht dabei nicht so weit wie manche seiner Zeitgenossen, die hofften, mit Hilfe mathematischer Methoden die ganze konkrete Welt darzustellen. Comenius glaubt, seine Universalwissenschaft biete vor allem die Lehre von der möglichen Welt; was von den Möglichkeiten wirklich werde, das lehre uns die Wirklichkeit selbst. Die Handschrift der Pansophie enthält einen Abriss dieser Lehre von der möglichen Welt. Leibniz geht denselben Weg. Die Überzeugung, dass die Philosophie eine Lehre von der möglichen Welt darstellen muss, gehört zu den für Leibniz charakteristischen Gedanken. Dieser Gedanke kehrt übrigens aufs neue in der heutigen Phänomenologie wieder. In diesem Falle können wir jedoch keine genetische Verbindung zwischen Comenius und den Gedanken von Leibniz feststellen.

Den Übergang von der Logik zur Metaphysik bildet, wie wir oben gesagt haben, die wissenschaftlich ausgearbeitete Sprache. Diesen Gedanken kennt Leibniz aus den programmatischen Entwürfen des Comenius. In seinem Gutachten über dessen Werk schreibt er: „Diese Sprache oder Schrift wird zwar sehr schwer zu bilden, aber sehr leicht zu lernen sein. Und wer diese Sprache lernen wird, der wird zugleich die Enzyklopädie lernen, die das wahre Tor der Dinge ist", „das Tor der Sprache und die kleine Enzyklopädie müssen dasselbe sein". Leibniz gebraucht hier die Bezeichnung „Janua rerum", die Comenius für seine Metaphysik wählte. Auch des Comenius Bezeichnung Panglottia für die universale Sprachlehre begegnet uns bei Leibniz. Als Leibniz anderswo von seinen Sprachplänen spricht, bezeichnet er Comenius als seinen einzigen Vorgänger: "Ich kenne nur einen Schriftsteller, einen höchst bedeutenden Mann (summus vir), der eine Ahnung desselben Planes gehabt hat." Dass dieser bedeutende Mann Comenius war, wurde vor kurzem bewiesen (D. Mahnke). Leibniz teilte die Abneigung des Comenius gegen die Fetzen‑ und Brockengelehrsamkeit vollkommen, und als er in seinen späteren Lebensjahren einmal die Methode Descartes' kritisierte, der von einigen Grundprinzipien ausgeht, die kein in sich geschlossenes System bilden, verwies er darauf, dass dieser Grundeinwand von Comenius stamme. [...]

Wir haben schon davon gesprochen, dass beide, Comenius wie Leibniz, wünschten, dass der Universalismus nicht nur Theorie bleibe, sondern dass er, von denselben theoretischen Punkten ausgehend, durch die Universalwissenschaft und Universalsprache zu weitreichenden praktischen Auswirkungen gelange: zu einer internationalen Organisation der wissenschaftlichen Arbeit, zur Versöhnung der Wissenschaft und der Religion, zur Versöhnung der christlichen Konfessionen sowie der Völker und Staaten untereinander. Und wenn diese Betrebungen auch durchaus dem Geist der Zeit entsprachen und beide, Comenius wie Leibniz, zu verschiedenen Abschnitten derselben geistesgeschichtlichen Epoche, nämlich des Barock, gehören, so dürfen wir uns doch keineswegs der Erkenntnis verschließen, dass Leibniz, der diese Ideale in diesem Falle keineswegs von Comenius zu entlehnen brauchte, sich dennoch von dessen Lebenswerk in seinen Bestrebungen bestärken ließ: Leibniz selbst legt Zeugnis davon ab, indem er Werke von Comenius an verschiedenen Stellen zitiert. Vor allem müssen wir daran erinnern, dass Leibniz für seine Bemühungen vielfach einen Boden vorfand, der durch die Arbeit des Comenius gut vorbereitet war: Leibniz wurde Mitglied der französischen und englischen Gelehrten-Sozietäten und geistiger Vater der Wiener, der Petersburger und der Berliner Akademie, und die Vorgeschichte dieser Gesellschaften wie auch deren Entstehung steht im Zeichen langjähriger Bestrebungen des Comenius und seiner Freunde. Die Vorschläge von Leibniz wurden von den Pietisten aufgegriffen, und sie gelangten zu ihrem Ideal des frommen Gelehrten und ihren irenischen Bestrebungen unter dem teilweisen Einfluß des Comenius. So handelte Leibniz sicher nicht nur seinem schwäbischen Freund Hesenthaler zuliebe, der zugleich ein Freund des Comenius war, wenn er ihm ein lateinisches Lobgedicht auf Comenius schickte, das er verfaßte, als er die Nachricht von dessen Tode erhielt. [...]

Natürlich überschattete der große Leibniz Comenius für die Zukunft fast völlig. Die theoretischen Anschauungen von Leibniz blieben bis in unsere Gegenwart hinein produktiv wirksam, sie haben auf Kant, auf die Vertreter des deutschen Idealismus, auf die mathematische Logik (in unserer Gegenwart zum Beispiel B. Russell) und auf die Phänomenologie (Husserl) stark eingewirkt. Kenntnis von ihren Anfängen bei Comenius finden wir in der Geschichte dieser Ideen nur vereinzelt, und selbst dort wird sie nur aus den pädagogischen Schriften des Comenius geschöpft, in denen seine grundlegenden Gedanken nur beiläufig angedeutet werden. Einigemale treten aber in der Geistesgeschichte verschiedene Motive der Weltanschauung des Comenius dennoch in den Vordergrund. Im 18. Jahrhundert greifen bekanntlich die deutschen Vorromantiker Hamann und Herder (im 57. Humanitätsbrief) verschiedene Gedanken des Comenius wieder auf, wenn sie dabei auch kein tieferes Verständnis für die Grundlagen, die theoretischen Motive seines Denkens zeigten. Für beide ist Comenius mit seinem Ideal einer nicht gegen die Religion kämpfenden Wissenschaft und mit seinen Humanitätsidealen eine Gestalt, in der sie gewissermaßen eine Stütze gegen die Aufklärer ihrer Zeit fanden. Er ist für sie eine Gestalt der Vergangenheit, deren Existenz für ihre eigenen religiösen, sittlichen und wissenschaftlichen Ideale zum Zeugnis wird. [...]

Ohne Zweifel könnte man in den bedeutendsten philosophischen Strö­mungen der Gegenwart wesentliche Elemente finden, deren geistiger Vater Comenius ist. Manchmal ist die genetische Verbindung mit ihm – vor allem durch Leibniz – unzweifelhaft. Die wichtigsten von diesen philosophischen Strömungen sind die Phänomenologie der Richtung Husserl, dann die mathematische Logik, und zwar der Richtungen, die nicht die Abschaffung der Philosophie in ihrem Programm haben, sondern eine methodische Umgestaltung ihrer Grundsätze beabsichtigen (B. Russell); endlich manche der vitalistischen Strömungen der Naturphilosophie. Man darf wohl erwarten, dass eine nähere Bekanntschaft mit dem Werk des Comenius, insbesondere mit seinem bis jetzt unveröffentlichten Nachlass, die genannten philosophischen Strömungen noch befruchten wird.

1939 in Prag gedruckt in dem Sammelband „Co daly naše země Evropě a lidstvu“ unter

dem Pseudonym  „Fritz Erlenbusch“ (in Tschechisch). Hier in  deutscher  Übersetzung von

 W. Korthaase aus: Golz, Reinhard; Korthaase, Werner; Schäfer, Erich (Hg.): Comenius und unsere Zeit. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 1996, S. 100-109 (hier gekürzt und ohne Anmerkungen).